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Sexuelle Gewalt

© Aurelie Baumel

    Sexuelle Gewalt geschieht immer, sowohl zu Kriegs- als auch zu Friedenszeiten. Während Konflikten wird sexuelle Gewalt manchmal als eine Art Anerkennung oder Belohnung für Soldaten betrachtet. Es gibt aber auch Fälle, in denen Vergewaltigungen Teil einer umfassenderen Kriegsstrategie sind.

    Vergewaltigungen können als eine Art Initiationsritus fungieren, insbesondere für Kindersoldaten, oder als Foltermethode zur Erlangung von Informationen eingesetzt werden. Sie können dazu dienen, eine Bevölkerungsgruppe zu terrorisieren oder Familien zu demütigen, indem demonstriert wird, dass die männlichen Mitglieder einer Gemeinschaft nicht fähig sind, die Frauen zu schützen.

    Sexuelle Übergriffe im grossen Umfang wurden manchmal als Kriegsstrategie eingesetzt oder kamen im Zuge von „ethnischen Säuberungen“ oder Völkermord vor. Vergewaltigungen erfordern daher nicht nur medizinische, sondern auch psychologische und politische Massnahmen.

    1999 startete MSF das erste Projekt für Opfer sexueller Gewalt im Zusammenhang mit dem Konflikt im Kongo (Brazzaville). Die Demokratische Republik Kongo ist seit langem schon in einen weitreichenden Bürgerkrieg verwickelt, der insbesondere die östlichen Provinzen des Landes betrifft. Das von MSF ins Leben gerufene Programm zur Betreuung von Opfern sexueller Gewalt in Bunia begann im Frühling 2003.

    MSF bietet den Opfern medizinische Versorgung (Behandlung von sexuell übertragbaren Krankheiten, Postexpositionsprophylaxe usw.) sowie psychologische Hilfe in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen. Besonderer Wert wurde darauf gelegt, den Zugang zu medizinischer Versorgung zu verbessern, Vertraulichkeit zu wahren und die Patientinnen nicht im Vorhinein zu verurteilen.

    Es ist unabdingbar, in der Zivilgesellschaft Netzwerke zu schaffen, um die Patienten an geeignete medizinische Einrichtungen überweisen zu können, in denen eine respektvolle Aufnahme, Behandlung und Nachversorgung der Betroffenen gewährleistet werden kann.

    Im Jahr 2017 kümmerte sich MSF um 18.800 Menschen mit sexuellen Gewaltverletzungen.