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Meningitis

© Elisabeth Griot

    Meningitis (Hirnhautentzündung) ist eine Infektion der Häute, welche Gehirn und Rückenmark umgeben, genannt Meningen. Es existieren Impfungen zum Schutz vor Erregern von Meningitis und die Krankheit kann behandelt werden, doch sie muss als medizinischer Notfall betrachtet werden. Denn sie kann tödlich verlaufen oder schwere neurologische Folgen haben.

    Verursacht wird die Infektion von verschiedenen Bakterien: von Serogruppen von Meningokokken, wovon insbesondere die Gruppen A, B, C, W135 und Y Erkrankungen auslösen, sowie von Pneumokokken. Bei Säuglingen und Kindern unter drei Jahren können auch andere Bakterien eine Meningitis-Infektion verursachen. Grössere Epidemien werden mehrheitlich von Meningokokken verursacht und treten vor allem während der Trockenzeit in der Sahelzone, in einem als Meningitisgürtel bezeichneten Gebiet, auf.
     

    Was sind die Symptome einer Meningitis?

    Von der Meningokokken-Meningitis sind vorwiegend Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betroffen. Nach einer durchschnittlichen Inkubationszeit von vier Tagen äussert sich die Meningitis in Kopfschmerzen, hohem Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und Nackensteife bis hin zu Koma oder einem septischen Schock.

    Bei Kindern unter einem Jahr ist Meningitis weniger offensichtlich und geht oft mit Verdauungsstörungen, Nahrungsverweigerung, Apathie oder anormalem Schreien, einer Verringerung des Muskeltonus, Krämpfen und einer Vorwölbung der Fontanelle (dem beim ganz kleinen Kind noch nicht verknöcherten Zwischenraum zwischen den Schädelknochen) einher. Bei schweren Formen gelangen die Erreger in den Blutkreislauf und damit ins Gehirn. Die Sterblichkeit, die bei Behandlung etwa 10 bis 15 Prozent beträgt, erreicht bei fehlender Behandlung 80 bis 100 Prozent. Häufig kommt es auch zu schweren neurologischen Folgen, die sich bei fast einem Fünftel der Patienten in Form von Taubheit, einer Lähmung, geistiger Retardierung oder Epilepsie äussern. Auch leichte motorische Störungen und kognitive Beeinträchtigungen werden häufig beobachtet.
     

    Welches sind die Übertragungswege?

    Die Infektion wird mit meist über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. An Meningitis erkrankte Menschen sind ansteckend, aber bei Epidemien verläuft die Übertragung im Wesentlichen über gesunde Keimträger, die das Bakterium in sich tragen, aber keine Symptome entwickeln.

    Eine geschwächte Immunabwehr sowie Schäden am Atemtrakt begünstigen die Entwicklung der Krankheit. So treten grosse Meningitis-Epidemien am häufigsten zwischen den Monaten Dezember und Juni auf, die in der Sahelzone vom Senegal bis nach Äthiopien die Trockenzeit darstellen. Die Kombination von trockenen Winden, Staub und kühlen Nächten führt zu Atemwegserkrankungen und bildet somit ein günstiger Nährboden für die Entstehung von Meningitis. Auch grosse Menschenansammlungen wie zum Beispiel auf Märkten begünstigen die Ausbreitung der Krankheit.
     

    Wie kann Meningitis vorgebeugt werden und wie wird sie behandelt?

    Seit über 30 Jahren gibt es eine Impfung gegen Meningokokken, und 2010 wurden neue Konjugatimpfstoffe entwickelt, die besonders wirksam sind. Mit gross angelegten präventiv durchgeführten Massenimpfkampagnen können Epidemien somit verhindert werden, doch die Impfstoffe sind auf dem Weltmarkt nicht immer in ausreichender Menge vorhanden und stellen für viele Länder zu hohe Kosten dar, zumal die Wirkung der Impfung nur einige Jahre anhält und erneuert werden muss. Die Impfung kann auch als begleitende Behandlungsmassnahme bei einer laufenden Epidemie eingesetzt werden. Seit der Entwicklung des konjugierten Meningokokken-A-Impfstoffs scheinen sich die Meningitis-Stämme zu verändern. 2015 kam es im Niger zu einer aussergewöhnlichen Epidemie von Meningokokken-C-Meningitis. Innerhalb eines Monats infizierten sich mehr als 6‘000 Personen, obschon dieser Erregertyp bisher noch nie zu einem grossflächigen Ausbruch geführt hat. MSF startete in Niamey umgehend einen Notfalleinsatz und behandelte in diesem Zeitraum rund 1‘000 Patienten.

    Die Behandlung beruht auf der schnellstmöglichen Verabreichung von Antibiotika. Patienten müssen sofort hospitalisiert werden, da die Krankheit schon einige Stunden nach dem Auftreten der Symptome, insbesondere bei Koma oder Konvulsionen, zum Tod führen kann. Eine Isolierung der Patienten ist allerdings während der Behandlung nicht nötig.

    Im Jahr 2018 geimpft MSF 33.900 Menschen gegen Meningitis als Reaktion auf eine Epidemie.