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Syrien

Nordost-Syrien: Wir bringen alle internationalen Einsatzkräfte außer Landes

Nordost-Syrien, 09.10.2019: Die Zivilbevölkerung flieht vor dem Bombardement der Stadt Ras al-Ain durch das türkische Militär. © Associated Press/AP
Pressemitteilungen 
Mit dem Beginn der türkischen Militäroperation in Nordsyrien am 9. Oktober musste die Organisation wegen der sehr instabilen Lage vor Ort die schwierige Entscheidung treffen, die Mehrzahl der Aktivitäten einzustellen und die internationalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abzuziehen.

    Wir unterstützen unsere syrischen Kolleginnen und Kollegen aus der Ferne und prüfen alle erdenklichen Möglichkeiten, wie wir in der Region weiter Hilfe leisten können.

    Die Situation im Nordosten Syriens ist derzeit unvorhersehbar und verändert sich schnell. Dies macht es Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) unmöglich, über einen sicheren Zugang zu den Menschen in der Region zu verhandeln.

    Angesichts der zahlreichen Konfliktparteien, die auf verschiedenen Seiten kämpfen, können wir die Sicherheit unserer syrischen und internationalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr garantieren.

    Nordost-Syrien: Einstellung der Mehrzahl der Aktivitäten

    „Wir haben schweren Herzens die Entscheidung getroffen, den Großteil unserer Aktivitäten einzustellen und unsere internationalen Mitarbeiter*innen aus Nordost-Syrien zu evakuieren. Wir brauchen zunächst die Sicherheitsgarantien und die Akzeptanz aller Konfliktparteien, um weiter arbeiten zu können“, sagt Robert Onus, Notfallkoordinator von MSF in Syrien.

    Wir haben schweren Herzens die Entscheidung getroffen, den Großteil unserer Aktivitäten einzustellen und unsere internationalen Mitarbeiter*innen aus Nordost-Syrien zu evakuieren.
    Robert Onus, Notfallkoordinator von MSF in Syrien

    „Wir sind äußerst besorgt um die Sicherheit unserer syrischen Kolleginnen und Kollegen und ihrer Familien, die sich in diesen schwierigen Zeiten im Nordosten Syriens aufhalten. Wir werden sie weiterhin aus der Ferne unterstützen und alle Möglichkeiten prüfen, um der Bevölkerung trotz der Einschränkungen Hilfe zu leisten“, sagt Onus.

    Die Entscheidung, einen Großteil der Aktivitäten auszusetzen, fällt, während die humanitäre Lage weiter außer Kontrolle gerät und der Bedarf der Bevölkerung in Nordsyrien wahrscheinlich zunehmen wird.

    Menschen fliehen vor Konflikt an syrisch-türkischer Grenze

    MSF hat gesehen, wie Menschen in Syrien aufgrund des Konflikts aus Orten entlang der Grenze zur Türkei vertrieben wurden.

    Luftangriffe, Bombardierungen und bewaffnete Zusammenstöße haben schwerwiegende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung und die Möglichkeit humanitärer Organisationen, sicher Hilfe zu leisten.

    In der Stadt Tal Tamer verteilten unsere Teams Decken, Nahrungsmittel, Wasser und Seife an Tausende Vertriebene.

    Bis zum 13. Oktober lieferten wir auch Wasser in mehrere Dörfer in der Region. Ein Luftangriff hatte die Wasserpumpstation beschädigt und die Wasserversorgung unterbrochen.

    In der Grenzstadt Tal Abjad hat die Bombardierung die überwiegende Mehrheit der Menschen gezwungen, zu fliehen. Das einzige öffentliche Krankenhaus, das von MSF unterstützt wurde, musste aufgrund des Konflikts geschlossen werden.

    Konflikt in Nordsyrien: Neues Trauma für Bevölkerung

    Zudem wurden am 13. Oktober Dutzende Menschen bei einem Luftangriff verletzt. Sie wurden in das Krankenhaus in Tal Tamer, ca. 30 km von der türkischen Grenze entfernt, gebracht.

    In der Stadt Ain Issa sahen unsere Teams, wie die Bevölkerung zu Fuß aus ihren Häusern floh und Sicherheit vor dem Konflikt suchte. Das Krankenhaus der Stadt, das in den letzten fünf Tagen eines der wichtigsten Krankenhäuser zur Behandlung von Verwundeten war, musste ebenfalls evakuiert werden.

    Auch den Menschen im Lager Ain Issa mangelt es nach Informationen eines unserer Mitarbeiter an Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung. Die Menschen befinden sie sich in einer sehr prekären Situation und wir sind äußerst besorgt um ihr Wohlbefinden.

    MSF fordert alle am Konflikt in Nordsyrien beteiligten Parteien auf:

    • den Schutz der Zivilbevölkerung, von Krankenhäusern, Krankenwagen und des medizinischen Personals, zu gewährleisten.

    • lebensrettende humanitäre Hilfe und unparteiische medizinische Versorgung überall in der Region zu ermöglichen.

    MSF ist nach wie vor in Nordwest-Syrien aktiv und bietet Gesundheitsversorgung in verschiedenen Einrichtungen und über mobile Kliniken an. Zudem unterstützen wir die Gesundheitsstrukturen in der Region.