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Unser Einsatz gegen das Coronavirus

© Daro Sulakauri/MSF
Aktuelles 

    1. Was wissen wir über das Coronavirus?

    Am 11. März hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den COVID-19-Ausbruch zur Pandemie erklärt.

    Inzwischen haben mehr als 170 Länder weltweit Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet. 90 % der Fälle werden aus vier Ländern gemeldet: In China sind die Neuansteckungen inzwischen rückläufig, größere Ausbrüche gibt es in Italien, dem Iran und Südkorea. In anderen Ländern, einschließlich Europa, nimmt die Zahl exponentiell zu.

    Das Coronavirus ist hochansteckend und bisher gibt es weder einen Impfstoff noch eine spezifische Behandlung gegen COVID-19. Es wird davon ausgegangen, dass sich jeder Mensch mit dem Virus anstecken kann. Die überwiegende Mehrheit (rund 80% der bestätigten Fälle) weisen leichte Atemwegserkrankung auf, die jedoch bei bestimmten Risikogruppen (ältere Menschen und Menschen mit Begleiterkrankung) schwere Komplikationen mit sich bringen können.

    Öffentliche Maßnahmen wie Isolation, Quarantäne und soziale Distanz werden im Allgemeinen ergriffen, um die unkontrollierte Übertragung des Coronavirus zu begrenzen, den Anstieg der Neuerkrankungen und schwerkranken Patient*innen zu verlangsamen, die am stärksten gefährdeten Personen zu schützen und die kollektiven Gesundheitsressourcen zu verwalten.
     

    2. Welche Herausforderungen bringt die schnelle Ausbreitung des Coronavirus mit sich?

    Die COVID-19-Pandemie hat, was das Ausmaß und die schnelle globale Ausbreitung betrifft, enorme Auswirkungen auf die Gesundheitssysteme in den betroffenen Ländern.

    Ausgehend von den bisherigen Erfahrungen und Daten werden 20% der bestätigten COVID-19-Fälle schwerwiegend sein und eine langfristige stationäre Behandlung mit spezieller Betreuung benötigen. Diese Patientinnen und Patienten brauchen im Durchschnitt drei bis vier Wochen eine enge Überwachung mit intensiver Pflege, einschließlich zusätzlicher Sauerstoffversorgung. Etwa sechs Prozent der bestätigten Fälle (rund 30% der stationär behandelten Personen) werden einen kritischen Verlauf der Erkrankung aufweisen und erfordern eine spezialisierte Intensivpflege wie etwa mechanische Beatmung für mehrere Wochen.

    Eine so lange stationäre Versorgung so vieler Menschen mit so hohem Pflegegrad ist selbst für modernste Gesundheitssysteme eine große Herausforderung. Wir sorgen uns um die Folgen für Länder mit schwächeren Gesundheitssystemen, wenn dort viele Patient*innen mit COVID-19 behandelt werden müssen. Zudem wissen wir wenig über das Virus: Wie wird es in tropischen Gebieten übertragen, welche Auswirkungen haben Koinfektionen mit anderen Krankheiten wie Malaria, Dengue, Tuberkulose oder Masern usw., die dort enorm verbreitet sind?

    3. Wie kann ich eine Ansteckung verhindern?

    Wir wissen, dass es im Falle eines Ausbruchs einer Atemwegserkrankung wichtig ist, einfache Hygienemassnahmen einzuhalten. So sollte unter anderem regelmäßig die Hände mit Wasser und Seife gewaschen werden. Bei Husten oder Niesen, sollte Mund und Nase mit einem Taschentuch oder dem Ellbogen bedeckt werden. Das Taschentuch hinterher in einem geschlossenen Behälter entsorgen und Hände waschen. In Risikogebieten sollen nahe Kontakte mit Personen, die Erkältungs- oder Grippesymptomen zeigen, gemieden werden. Bei Fieber oder Atemproblemen sollte man eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

    4. Wo wir aktiv sind

    • In Italien unterstützen wir aktuell drei Krankenhäuser in der Lombardei, einem Epizentrum des Ausbruchs, bei der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie. Unser Team hilft unter anderem bei der Behandlung von Erkrankten und bei Maßnahmen zur Infektionskontrolle. Im Krankenhaus von Codogno, wo der erste italienische Fall entdeckt wurde, ist unsere oberste Priorität der Schutz des Krankenhauspersonals –  denn es ist in der Krise besonders gefährdet. Zudem haben wir begonnen, Hausärztinnen und Pfleger, die Erkrankte zu Hause behandeln, zu unterstützen.
    • In Frankreich setzen wir zurzeit in Absprache mit sozial-medizinischen Vereinen und der regionalen Gesundheitsagentur Ile-de-France Aktivitäten auf. Diese sollen sich auf besonders bedürftige Menschen wie Obdachlose sowie unbegleitete Minderjährige sowie Migrantinnen und Migranten in Paris und Umgebung konzentrieren. Wir wollen bei der Diagnose, Isolierung und im Fall-Management von COVID-19 in vorhandenen oder entstehenden Unterkünften helfen.
    • In Hong Kong unterstützen wir durch Aufklärungsarbeit und psychologische Hilfe, speziell für besonders gefährdete Personen. In China haben wir 3,5 Tonnen spezielle medizinische Schutzausrüstung in das Jinyintan-Krankenhaus nach Wuhan in der Provinz Hubei geschickt (dem Epizentrum des aktuellen Ausbruchs).
    • In Belgien unterstützten wir Organisationen, die mit besonders bedürftigen Gruppen wie obdachlosen Menschen sowie Migrantinnen und Migranten ohne Papiere arbeiten, bei der Triage und bei der Infektions-Vorbeugung und Kontrolle. Zudem bereiten wir Unterstützungsmöglichkeiten für Krankenhäuser und Einrichtungen wie Altenheime vor, für den Fall, dass Hilfe gebraucht wird.
    • In Spanien beraten wir das Gesundheitsministerium dabei, Krankenhauskapazitäten für COVID-19-Betroffene auszuweiten und in der Krisenkommunikation.
    • In Libyen haben wir in Krankenhäusern in Tripoli Trainings zur Infektionskontrollen und Fallbetreuung abgehalten.

    Parallel zum weltweiten Ausbruch von COVID-19 führen wir unsere regulären Aktivitäten fort. Wir sorgen uns insbesondere um die Folgen für Länder mit schwächeren Gesundheitssystemen, wenn dort viele Menschen mit COVID-19 behandelt werden müssen und um Bevölkerungsgruppen, die ohnehin in einem prekären Umfeld leben, wie Obdachlose, Menschen in Flüchtlingslagern oder von Konflikten betroffene Bevölkerungsgruppen.

    5. Welches sind die wichtigsten Anliegen von MSF?

    MSF ist zutiefst besorgt über die Auswirkungen von Covid-19 auf jene Bevölkerungsgruppen, die in unter prekären Umständen leben müssen.

    Dazu zählen Obdachlose und diejenigen, die in Konfliktgebieten oder in Flüchtlingscamps leben. Oft leben diese Menschen unter unhygienischen Bedingungen und für sie wird es vor allem schwierig sein, präventive Massnahmen zu implementieren. Gleichzeitig haben sie ohnehin Schwierigkeiten, Zugang zu gesundheitlicher Behandlung zu bekommen.

    Generell sind wir sehr besorgt darüber, wie sich der Ausbruch von COVID-19 auf Länder mit instabilen Gesundheitssystemen auswirken wird. In vielen Gebieten, in denen wir tätig sind, gibt es sehr wenige medizinische Akteure, welche auf einen solchen Zustrom der Patienten reagieren können. Wir möchten sicherstellen, dass unsere Patientinnen und Patienten weiterhin die nötige medizinische Versorgung erhalten. Gleichzeitig arbeiten wir daran, dass unsere medizinischen Teams auf potenzielle Covid-19-Infektionen vorbereitet sind.

    Wie soll man sich regelmässig die Hände waschen, wenn man weder Seife noch laufendes Wasser hat? Wie kann man in einem Slum oder in einem Flüchtlingslager «social distancing» umsetzen? Wie soll man aufhören, Grenzen zu überqueren, wenn man vor einem Krieg flieht? 

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