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Épidémie, coronavirus, prévention

Was wissen wir über das Coronavirus?

Das 3,5 Tonnen schwere Material wird vom Logistikzentrum von Ärzte ohne Grenzen in Brüssel aus über die Hubei Charity Federation an das Jinyintan Krankenhaus in Wuhan versandt. © Marta Garcia Arjona/MSF
Aktuelles 
Am 11. März hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den COVID-19-Ausbruch zur Pandemie erklärt. Inzwischen haben mehr als 100 Länder weltweit Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet. 90 % der Fälle werden aus vier Ländern gemeldet: In China sind die Neuansteckungen inzwischen rückläufig, größere Ausbrüche gibt es in Italien, dem Iran und Südkorea. In anderen Ländern, einschließlich Europa, nimmt die Zahl exponentiell zu.

    Das Coronavirus ist hochansteckend und bisher gibt es weder einen Impfstoff noch eine spezifische Behandlung gegen COVID-19. Es wird davon ausgegangen, dass sich jeder Mensch mit dem Virus anstecken kann. Die überwiegende Mehrheit (rund 80% der bestätigten Fälle) weisen leichte Atemwegserkrankung auf, die jedoch bei bestimmten Risikogruppen (ältere Menschen und Menschen mit Begleiterkrankung) schwere Komplikationen mit sich bringen können.

    Öffentliche Maßnahmen wie Isolation, Quarantäne und soziale Distanz werden im Allgemeinen ergriffen, um die unkontrollierte Übertragung des Coronavirus zu begrenzen, den Anstieg der Neuerkrankungen und schwerkranken Patient*innen zu verlangsamen, die am stärksten gefährdeten Personen zu schützen und die kollektiven Gesundheitsressourcen zu verwalten.

    1. Welche Herausforderungen bringt die schnelle Ausbreitung des Coronavirus mit sich?

    Die COVID-19-Pandemie hat, was das Ausmaß und die schnelle globale Ausbreitung betrifft, enorme Auswirkungen auf die Gesundheitssysteme in den betroffenen Ländern. Ausgehend von den bisherigen Erfahrungen und Daten werden 20% der bestätigten COVID-19-Fälle schwerwiegend sein und eine langfristige stationäre Behandlung mit spezieller Betreuung benötigen. Diese Patient*innen brauchen im Durchschnitt drei bis vier Wochen eine enge Überwachung mit intensiver Pflege, einschließlich zusätzlicher Sauerstoffversorgung. Etwa sechs Prozent der bestätigten Fälle (rund 30% der stationär behandelten Personen) werden einen kritischen Verlauf der Erkrankung aufweisen und erfordern eine spezialisierte Intensivpflege wie etwa mechanische Beatmung für mehrere Wochen.

    Eine so lange stationäre Versorgung so vieler Menschen mit so hohem Pflegegrad ist selbst für modernste Gesundheitssysteme eine große Herausforderung. Wir sorgen uns um die Folgen für Länder mit schwächeren Gesundheitssystemen, wenn dort viele Patient*innen mit COVID-19 behandelt werden müssen. Zudem wissen wir wenig über das Virus: Wie wird es in tropischen Gebieten übertragen, welche Auswirkungen haben Koinfektionen mit anderen Krankheiten wie Malaria, Dengue, Tuberkulose oder Masern usw., die dort enorm verbreitet sind?

    2. Was tut Ärzte ohne Grenzen gegen das Coronavirus?

    Parallel zum weltweiten Ausbruch von COVID-19 führen wir unsere regulären Aktivitäten fort. Unsere Teams behandeln täglich Hunderttausende Patient*innen mit verschiedensten Krankheiten und Bedürfnissen. Wir müssen sicherstellen, dass wir in unseren Projekten weiterhin eine angemessene und lebensrettende medizinische Versorgung anbieten können. Besondere Schwierigkeiten ergeben sich derzeit durch eingeschränkte Reisemöglichkeiten unserer Mitarbeitenden sowie durch den weltweiten Druck auf die Produktion einiger medizinischer Güter, insbesondere auf die Herstellung von Schutzausstattung für Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen. Die künftige Versorgung mit elementaren Produkten wie OP-Schutzmasken, Tupfern, Handschuhen und Chemikalien zur Diagnose von COVID-19 bereitet uns Sorge. Es besteht auch die Gefahr von Versorgungsengpässen wegen der stockenden Produktion von Generika und Problemen bei der Einfuhr lebenswichtiger Medikamente (wie Antibiotika und antiretrovirale Medikamente) aufgrund von Lockdowns, einer reduzierten Produktion von Basisprodukten, sowie Exportstopps oder Einlagerung von Medikamenten und Material zur Behandlung von COVID-19.

    Der Schutz von Patient*innen und Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen ist essenziell, deshalb bereiten wir uns auch auf mögliche Fälle von COVID-19 in unseren Projekten vor. In bereits betroffenen Regionen stellen wir sicher, dass Maßnahmen zur Infektionskontrolle getroffen,  Screenings durchgeführt und Isolationsbereiche eingerichtet werden sowie Aufklärungsaktivitäten stattfinden. In den meisten Ländern arbeiten wir mit der WHO und den Gesundheitsministerien zusammen, um zu evaluieren, wie wir bei Bedarf helfen können. Zudem bieten Schulungen zur Infektionskontrolle für Gesundheitseinrichtungen an.

    Durch das Ausmaß der COVID-19-Pandemie sind unsere Möglichkeiten angemessen zu reagieren jedoch eingeschränkt. In Italien, das jetzt am zweitstärksten betroffenen ist, unterstützen wir seit dieser Woche vier Krankenhäuser im Zentrum des Ausbruchs bei der Infektionskontrolle und der Patient*innenversorgung. In Hongkong setzen wir die Aufklärungsarbeit und psychosoziale Unterstützung für gefährdete Gruppen fort. Im Iran haben wir den Behörden vorgeschlagen, bei der Betreuung von Patient*innen mit COVID-19 zu helfen. Ob wir auch in anderen Ländern aktiv werden können, wird von der Art des Ausbruchs, aber auch von unseren Einsatzkapazitäten abhängen.

    3. Welches sind die wichtigsten Anliegen von MSF?

    MSF ist zutiefst besorgt über die Auswirkungen von Covid-19 auf jene Bevölkerungsgruppen, die in unter prekären Umständen leben müssen. Dazu zählen Obdachlose und diejenigen, die in Konfliktgebieten oder in Flüchtlingscamps leben. Oft leben diese Menschen unter unhygienischen Bedingungen und für sie wird es vor allem schwierig sein, präventive Massnahmen zu implementieren. Gleichzeitig haben sie ohnehin Schwierigkeiten, Zugang zu gesundheitlicher Behandlung zu bekommen.

    Damit sich diese Menschen schützen können, ist es äusserst wichtig, sie über die Vorsichtsmassnahmen zu informieren und sie mit den notwendigen Ressourcen auszustatten (Händewaschen und Selbst-Quarantäne bei Kontakt mit Infizierten).

    Generell sind wir sehr besorgt darüber, wie sich der Ausbruch von COVID-19 auf Länder mit instabilen Gesundheitssystemen auswirken wird. In vielen Gebieten, in denen wir tätig sind, gibt es sehr wenige medizinische Akteure, welche auf einen solchen Zustrom der Patienten reagieren können. Wir möchten sicherstellen, dass unsere Patientinnen und Patienten weiterhin die nötige medizinische Versorgung erhalten. Gleichzeitig arbeiten wir daran, dass unsere medizinischen Teams auf potenzielle Covid-19-Infektionen vorbereitet sind.

    Wir setzen alles daran, eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern und zu verzögern. Bereits jetzt geraten einige der weltweit fortgeschrittensten Gesundheitssysteme unter Druck. Gerade jetzt ist es wichtig, dass der Zugang zu gesundheitlicher Versorgung gewährleistet ist. So muss dafür gesorgt werden, dass eine Überforderung der Spitäler verhindert wird und dass sich medizinische Fachleute um die betroffenen Menschen kümmern können. 
    Die Überlastung der Spitäler begünstigt die Ansteckung von medizinischen Fachkräften. Angesichts des Zustroms an Patientinnen und Patienten sind die personellen und materiellen Ressourcen begrenzt. Die Sicherheit des Personals sollte in jeder medizinischen Einrichtung die höchste Priorität haben.

    Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass das Vertrauen in die Gesundheitsbehörden eine grundlegende Rolle bei der Eindämmung von Infektionen spielt. Klare Anweisungen sind notwendig, um die Bevölkerung dazu zu ermutigen, sich zu schützen.

    Um das Virus einzudämmen, müssen medizinische Mittel bereitgestellt werden. Dies ist nur möglich, wenn Regierungen, Pharmaunternehmen und andere Forschungsinstitutionen, die Behandlungen, Diagnostika und Impfstoffe entwickeln, die notwendigen Massnahmen ergreifen:

    • Patente und Monopolen sollten die Produktion nicht begrenzen und sie zugänglich halten.
    • Der Zugang zu umfunktionierten Arzneimitteln, um die Gesundheitsversorgung aufrecht zu erhalten
    • Die Verfügbarkeit der medizinischen Mittel für den Schutz und die Behandlung von Mitarbeiter*innen priorisieren.
    • Verbesserung der Transparenz und Koordination, um sicherzustellen, dass ein faktengestützter Ansatz zur kontinuierlichen Überwachung des Risikos einer potenziellen Schwachstelle in der Lieferkette bei wichtigen medizinischen Instrumenten und zur Anpassung von Massnahmen zur Risikominderung im Bedarfsfall durch internationale Zusammenarbeit eingeführt wird.